Georg Hoppenstedt
Hannover, 5. April – 24. April 2005

„Terminus" ist der Titel eines Katalogbuchs des Malers Georg Hoppenstedt. Terminus, der römische Gott des Grenzsteins, deutet darauf hin, daß der Maler ein Grenzgänger ist zwischen zwei Seiten ästhetischer Wahrnehmung: der abbildhaften, die die Gesetze der optischen Projektion voraussetzt, und einer nichtfigurativen, die sich unmittelbar in Spuren, Zeichen, Markierungen ausdrückt, ohne begrifflich faßbar zu sein. So ungefähr hat Siegfried K. Lang in jenem Katalog beschrieben, auf welchem Grenzgang Georg Hoppenstedt sich befindet.

Georg Hoppenstedt wurde 1945 in Bad Pyrmont geboren. Von 1966 – 1973 studierte er Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin bei den Professoren Knispel und Dörries. Schließlich war Hoppenstedt Meisterschüler von Prof. Peter Janssen, von dem er sagte, daß ihn die Farbkultur dieses Meisters faszinierte.

Der Künstler kehrte danach für zehn Jahre nach Bad Pyrmont zurück und zog dann nach Göttingen, wo er bis heute lebt.

Ein anderes seiner Katalogbücher hat Hoppenstedt „ Im Augenblick" genannt und auch hierin zeigt sich eine Absicht, eine stärke seiner Malerei. Hoppenstedt gelingt es, auf kleinsten und auf großen Formaten, diesen Augenblick im Malprozess festzuhalten, den andere Maler oft versäumen.

„Ach Augenblick, wie bist du schön!" Wir können seine Bilder anschauen und alles zum Zufall erklären, doch begeben wir uns dadurch des Vergnügens, das die Betrachtung seiner Bilder uns bringt. Und dieses ist wesentlich bewirkt durch Georg Hoppenstedts „Farbkultur", jene für uns Augenmenschen unbeschreibliche Disziplin, die Hoppenstedt seinerseits seinem inzwischen zu Unrecht vergessenen Lehrer Peter Janssen attestierte, übrigens eindeutig einem Gegenständlichen, der durchaus abstrakt dachte und malte (siehe oben „Terminus").

Wenn es ihm gefällt, ist der Augenblick gekommen, in dem Georg Hoppenstedt quasi einen Malprozess zum Bild erklären kann. Wiederum Siegfried K. Lang hat „das gleichzeitig Anwesende" in Hoppenstedts Bildern hervorgehoben: „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihrer Sicht- und Nicht-Sichtbarkeit".

„Ich muß das Bild aus sich selbst entstehen lassen", hat Hoppenstedt bemerkt, „damit es echtes leben enthält und nicht zur Gedankenillustration degradiert wird".

Auch wenn Georg Hoppenstedt in ganzen Bilderserien mit dem Titel „Histoire Naturelle" „Kleintiere als Einzelwesen in Nahsicht und starker Vergrößerung ins Bild brachte" oder immer wieder mit dessen bekanntem Portrait dem Göttinger Philosophen Lichtenberg huldigte, bleibt, was Georg Hoppenstedt tut, in erster Linie schönste Malerei.

Er erfindet Farben „á la minute".

Ludwig Zerull

zurück